Heilig Kreuz Kirche

Eine dienende Kirche für Flüchtlinge

Ort Langholzfeld, Niederösterreich
Fertigstellung 1965

 

Der Ort

1961: Langholzfeld, ehemaliges Ackerland, verwildert, von ein paar verlorenen Häusern umstanden. Keine Straße, kein Kanal, kein Wasser. Vereinzelt ist Licht da. Und Menschen sind da: zumeist Flüchtlinge aus dem letzten Krieg, die sich hier im Vorfeld der Stadt Linz ein neues Zuhause eingerichtet haben. Die Bauten sind ungeordnet gewachsen. Was die Menschen geprägt hat und was in ihnen lebt, haben sie – wie ihren Glauben – aus der früheren Heimat mitgebracht. Ein Geistlicher mit dem Auftrag christlicher Seelsorge.

Kirche aussen

Kirche Grundriss

 

 

1 Pfarrsaal mit Kaplanwohnung
2 Kirche mit Werktagskapelle
3 Pfarrhaus
4 Zweigruppen-Kindergarten

 

Das Pfarrzentrum

Pfarrsaal für kulturelle und gesellschaftliche Zwecke, Mesner- und Pfarrerwohnung, die Kirche und ein Kindergarten. Die Idee der gefalteten Mauern des Kirchenraumes schließt die Werktagskapelle ein. Die Baumasse sollte niedrig sein und die Einfamilienhäuser nicht überragen. Sie bleibt aus ökonomischen Gründen ohne Herrschaftszeichen, ohne Turm mit Glocken bleibt sie nicht stumm in dieser überlauten Zeit, sondern lebendig dienend.

 

Kirche

 

Die Kirche

Sie steht im Zeichen der Öffnung, der Wandlung in eine Kirche für den Menschen unserer Zeit. Die ästhetischen Dogmatiker warten in dieser Zeit der Konfusion bereits mit fertigen Rezepten auf, andere standen bereits wieder in der Reaktion, sie hielten am Alten fest. Unser Angebot an die Kirche ist getragen vom Bewußtsein eines langwierigen, evolutionären Prozesses. Voran steht die zeitgemäße Interpretation der christlichen Inhalte, als letztes die sichtbare Form. Dazu bedarf es unserer gemeinsamen Anstrengung.

Unvorbereitet traf die radikale Änderung Priester und Laien.

Der Raum

Durch den Bauplatzzuschnitt erzwungen ist die Handlung in die Breite gelagert, von weiß geputzten Mauern eingefaßt. Der Boden ist nach funktionellen Gesichtspunkten bewegt, bei Verzicht auf Stufen hebt er durch taktiles Erlebnis den Raumwert Der an sich niedrige Raum wirkt durch die schwebende Decke befreiend. Der Breitraum bewies seine Leistungsfähigkeit im Ablauf der kirchlichen Feiern. Altarstein und Sakramentspfeiler stehen der Breite nach auf optimalen Plätzen. Die Gläubigen umfassen von drei Seiten den Altarbezirk, Priester und Ministranten schließen ihn an der vierten Seite. Jede Tendenz, jedes Zentrum mit imperialen Ansprüchen ist vermieden. Labyrinthartige Zugänge und gleichbleibende Helligkeit gewährleisten die Stille und den vollkommen geschlossenen Raumeindruck. Sie stehen in bewußtem Gegensatz zu der sich heute abzeichnenden Tendenz von Raumbewegung und Lichtführung. Als Zufluchtsort für die Beziehung der Seele zu Gott – ein Raum, der Bedürfnis und Wunsch ausdrückt, mit Gott vereint zu sein.

Innenraum

Skizze kreuzweg

 

Der Kreuzweg von Karl Prantl

14 Stationen in den Boden versenkt – bündig und niveaugleich mit dem Asphalt. Der Kreuzweg wird gegangen, die Granite betreten. Es ist ein Weg, keine Achse. Monolithe, Steine und Platten mit dem Kreuz bezeichnen den Weg. Das Kreuz wird mit, über und durch die Zehen einverleibt.

1. Station: Taufstein – das Kreuz beginnt
4. Station: Maria – Wendung
5.-10. Station: Altar – Priester und Mensch
11. Station: Ambo – Epistel und Evangelium
14. Station: Grab Christi – Opfer und Stein

 

 

Der Altarstein

Die Kirche ist mit der Einrichtung fertiggestellt und steht ein halbes Jahr ohne Nutzung, da die Auseinandersetzungen über den Altarstein von außen in die Kirchengemeinde hineingetragen und im inneren Kreis der Würdenträger artikuliert werden. Ein Opferstein – „das Blut sieht man herunterrinnen“. Unserem Angebot, den Altarstein herauszunehmen, widersetzen sich die Gemeindemitglieder – die Vertriebenen. Sie haben die Steine bezahlt und sie verstehen sie. Anstatt die Oberfläche abzusägen, hat – durch den Heiligen Geist inspiriert – ein geistlicher Rat die Idee, mit einer Granitplatte die Oberfläche abzudecken.
Den Altarstein umfaßt ein in den liturgischen Farben hergestellter textiler Fleck. Er ist der einzige starke farbliche Akzent im Raum.
Mein Gelübde, einen Teppich für den Asphaltboden der Kirche um den Altarstein zu stiften, nützte lange nichts. Erst nach 28 Jahren, mit dem Tod des Bischofs, wird der Weg frei, die Abdeckplatte zu entfernen.

Der Altarstein


Kreuz aussen

Vertriebenengedächtnis

Die Zusammenarbeit mit der Kirche haben wir zur Bewältigung der Aufgabe, in unserer Zeit einen sakralen Raum zu schaffen, verstanden. Einiges wurde angenommen, einiges abgelehnt, manchmal hat sich die Kirche auf ihre historische Position zurückgezogen und einmal ist sie über uns hinweggeschritten. Langholzfeld, eine Siedlung am Rande von Linz, ist zu 90 % mit Volksdeutschen Flüchtlingen aus dem Balkan besiedelt. Eine dienende Kirche als neue seelische Wohnstatt Ein altes Flüchtlingsehepaar aus Deutschland stiftet 1996 das Sandsteinkreuz, als Erinnerung an ihre untergegangenen Landsleute.